„miniaturen“ gegen die Verniedlichung
„In 'miniatur 1 (Die Sennerin von St. Kathrein)' sieht man, wie der Hauptdarsteller vor imposanter Naturkulisse und gefolgt von einer Herde von Pferden ins Bild tritt. Szenen galoppierender Pferde, von süßlichen Klängen untermalt, rahmen diese Bildouvertüre. Die Musik synchronisiert die ungetrübte Schönheit einer heroisch-pathetisch überzeichneten Landschaft ebenso wie die scheinbar unbändige Freiheit und Ungezügeltheit der Pferde als Symbole unberührter, wilder Natur. Absichtsvoll 'verbessert' Egg die ohnehin auf Idealisierung, Harmonisierung und Optimierung von Bildgebung und emotionale Identifikation angelegten Szenen. Sie schafft Symmetrien, wo noch keine sind, und fokussiert Motive, um die in den Originalszenen angepeilten Wirkungen auf den Betrachter quasi fortzuschreiben und zu verstärken. Dies geschieht auf eine für den Betrachter nicht auf den ersten Blick erkennbare Weise – wie ein bewusst unterschwelliger Kommentar zu der mit Penetranz inszenierten Unterschwelligkeit der Filme selbst. Dass die Stimmungsbilder der Heimatfilme und deren Rezeption nicht einer zeitlos-natürlichen oder archetypischen Veranlagung entspringen, sondern dass dabei vor allem marktorientierte Überlegungen im Spiel sind, die regressive und weltflüchtige Bedürfnisse befriedigen und kommerziell nutzen, stört – auch wenn er dies durchschaut – wohl kaum einen Konsumenten, der gerade der filmischen Gefühlswäsche unterliegt. Egg sensibilisiert jedoch durch ihre strukturelle Interpretation des Kitschig-Emotionalen für dessen seinerseits kalkülreich-systematische Grundlagen. Aus der Verdichtung und Wiederholung einander ähnlicher Szenen leuchtet gleichsam deren gestellte Natürlichkeit hervor. Die sonst zur ausschmückenden Untermalung der Handlung dienenden Naturszenen geraten nun selbst als eigentliche Handlung in eine Art Abbildungsfalle." Rainer Fuchs
petra egg
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