„miniaturen" gegen die Verniedlichung
„Heimatfilme aus den 50er und 60er Jahren sind die Ausgangsmotive für Petra Eggs 'miniaturen'. ... Die Künstlerin nutzt diese Filme, um sich den von seinen Konsumenten verinnerlichten Konstruktionsprinzipien und Suggestionen, die der Emotionalisierung und mentalen Beruhigung gleichermaßen dienen, analytisch anzunähern. Zu diesem Zweck wählt sie einzelne, signifikante Szenen aus, bearbeitet sie und fügt sie zu Endlosschleifen zusammen, wie um der sonst durch Wiederholung immergleicher Klischees begünstigten Verflüchtigung und Verinnerlichung des filmischen Geschehens in der Wahrnehmung durch explizite Repetition entgegenzuarbeiten. Die manipulative Wirkung solcher Filme rückt sie also ihrerseits durch Manipulationen in den Blick.In 'miniatur 2 (Wer die Heimat liebt)' wird eine Aufnahme spiegelverkehrt eingesetzt, wobei der verheißungsvoll nach oben und vorne blickende Hauptdarsteller Hermann Erhardt, der schon in "Heimkehr" nationalsozialistischer Volkstumsideologie zum filmischen Durchbruch verhalf, zu einem buchstäblich janusköpfigen Zentralmotiv wird. Der Originalfilm, der von einem Jäger handelt, der einen Wilderer erschoss und daher von dessen einflussreichem Vater aus dem Hochgebirge ins burgenländische Flachland versetzt wurde, verweist auf eine alle Unterschiedlichkeiten im Topografischen und Regionalen überbrückende Naturverklärung. Der Jäger, der mit schussbereiter Waffe durch ein friedlich geordnetes und glücksvoll gestimmtes, von sakral-folkloristischer Begleitmusik überhöhtes landschaftliches Ambiente marschiert, wirkt wie ein verspäteter und einsamer Krieger. Seine Erscheinung liest sich wie ein symbolischer Kommentar zur nahtlosen Kontinuität der Idyllisierung von Mensch, Natur und Gesellschaft vom völkischen Nazideutschland zur katholisch-volkstümlich dominierten österreichischen Nachkriegsgeschichte. Die mit dieser Filmfigur des duldenden Helden vermittelte Unschuldsthematik ist Teil einer simplifizierenden Identifikationsrhetorik, ..." Rainer Fuchs
„Heimatfilme aus den 50er und 60er Jahren sind die Ausgangsmotive für Petra Eggs 'miniaturen'. ... Die Künstlerin nutzt diese Filme, um sich den von seinen Konsumenten verinnerlichten Konstruktionsprinzipien und Suggestionen, die der Emotionalisierung und mentalen Beruhigung gleichermaßen dienen, analytisch anzunähern. Zu diesem Zweck wählt sie einzelne, signifikante Szenen aus, bearbeitet sie und fügt sie zu Endlosschleifen zusammen, wie um der sonst durch Wiederholung immergleicher Klischees begünstigten Verflüchtigung und Verinnerlichung des filmischen Geschehens in der Wahrnehmung durch explizite Repetition entgegenzuarbeiten. Die manipulative Wirkung solcher Filme rückt sie also ihrerseits durch Manipulationen in den Blick.In 'miniatur 2 (Wer die Heimat liebt)' wird eine Aufnahme spiegelverkehrt eingesetzt, wobei der verheißungsvoll nach oben und vorne blickende Hauptdarsteller Hermann Erhardt, der schon in "Heimkehr" nationalsozialistischer Volkstumsideologie zum filmischen Durchbruch verhalf, zu einem buchstäblich janusköpfigen Zentralmotiv wird. Der Originalfilm, der von einem Jäger handelt, der einen Wilderer erschoss und daher von dessen einflussreichem Vater aus dem Hochgebirge ins burgenländische Flachland versetzt wurde, verweist auf eine alle Unterschiedlichkeiten im Topografischen und Regionalen überbrückende Naturverklärung. Der Jäger, der mit schussbereiter Waffe durch ein friedlich geordnetes und glücksvoll gestimmtes, von sakral-folkloristischer Begleitmusik überhöhtes landschaftliches Ambiente marschiert, wirkt wie ein verspäteter und einsamer Krieger. Seine Erscheinung liest sich wie ein symbolischer Kommentar zur nahtlosen Kontinuität der Idyllisierung von Mensch, Natur und Gesellschaft vom völkischen Nazideutschland zur katholisch-volkstümlich dominierten österreichischen Nachkriegsgeschichte. Die mit dieser Filmfigur des duldenden Helden vermittelte Unschuldsthematik ist Teil einer simplifizierenden Identifikationsrhetorik, ..." Rainer Fuchs
